Fail often, fail fast: Mehr Mut zur Innovation bitte!

Innovationen voranzutreiben, steht auf den Agenden zukunftsorientierter Unternehmen zu Recht weit oben. Kein Wunder – schließlich will jeder den nächsten großen Entwicklungsschritt anstoßen und der Erste sein, der ein völlig neues Produkt in den Köpfen der Menschen und damit auf dem Markt platziert. Doch zur Innovation gehört weit mehr, als nur personelle Ressourcen sowie Budgets bereitzustellen und Ziele zu definieren.

Wie also schafft man den perfekten Nährboden, um erfolgreich in die Zukunft zu gehen? Und wie sichert man sich Vorteile im Wettbewerb? Um diese und viele weitere Fragen zu beantworten, stand das Thema Innovationsmanagement auch auf der Bits&Pretzels 2019, die wir als Partner begleiten, im Fokus einer Fishbowl Diskussion. Mit auf dem Podium: Rupert Schäfer, Managing Partner und Co-Founder bei The Nunatak Group. Im Interview verrät er unter anderem, wie sich Innovationsmanagement im eigenen Unternehmen von der Projektarbeit beim Kunden unterscheidet, welche Initiativen bei Nunatak bereits erste Früchte tragen und von welchen Trugbildern sich ein erfolgreich innovatives Unternehmen verabschieden sollte. 

 

Herr Schäfer, „Innovationsmanagement” war bereits auf der diesjährigen Nunatak Networking Night Kernthema. Welche Erkenntnisse haben Sie seither in der Projektarbeit übernommen?

RUPERT SCHÄFER: Vor allem, dass Innovation ein Change-Thema ist, das sehr stark am Menschen hängt und entsprechend auch mit optimaler Zusammenarbeit steht und fällt. Das wussten wir zwar schon vorher, doch der Abend mit all seinem Input aus verschiedensten Perspektiven hat das nochmal bestätigt. Denn: Nur wenn man es schafft die Art der Zusammenarbeit, der Führung, der Projektarbeit, aber auch das Managen der Fehlerkultur im Unternehmen zu verändern, gelingt Innovation. Und das haben uns bei der Networking Night praktisch alle anwesenden Vertreter großer Industrieunternehmen, wie Linde, bis hin zu großen Rückversicherern bestätigt. Die menschliche Komponente ist und bleibt der Dreh- und Angelpunkt, wenn man Transformation und letztendlich Innovation erfolgreich vorantreiben will.

Früher sind Innovationsinitiativen oft an fehlender Messbarkeit gescheitert. Wie wird heute Erfolg gemessen?

Natürlich ist die Messbarkeit eine der größten Herausforderungen beim Thema Innovation. Es wird oft versucht KPIs und Zielsysteme zu etablieren, die in Unternehmen mit festen Prozessen und Strukturen über Jahre entwickelt wurden. Und genau diese greifen beim Sprung ins Ungewisse – denn nichts anderes ist Innovation – gar nicht oder nur sehr schwer. KPIs und Ziele, die dazu benötigt werden einen Tanker mit 100 Millarden Euro Umsatz zu steuern, sind eben meist nicht dieselben, wie jene, die man für disruptive Innovation, Mindset-Change und neue Arbeitsmethoden braucht. Bei der Networking Night haben wir einige sehr interessante Ansätze zur Erfolgsmessung von Innovation kennengelernt. Dazu zählt zum Beispiel die Zahl der Mitarbeiter, die in einem Innovationsprogramm involviert sind. Oder auch, ob neue Arbeitsmethoden im täglichen Geschäft angewandt und übernommen werden. Dagegen sind klassische Zielkoordinatensysteme, wie Umsatz und Marge, eher ungeeignet. Diese Erkenntnis muss jedoch zuallererst im oberen Management greifen, bevor man anfängt, sich mit der Etablierung von Change-Prozessen zu befassen.

Bits&Pretzels 2019: Nunataks Co-Founder und Managing Director, Rupert Schäfer, diskutierte in einer Fishbowl Runde zum Thema Innovationsmanagement.

Dass erfolgreiche Innovation oft Zeit braucht, sieht man anhand zahlreicher Beispiele aus der Geschichte. So brauchte beispielsweise Thomas A. Edison mehr als 10.000 Versuche, um die Glühbirne zu entwickeln. Henry Ford musste sogar zweimal Insolvenz anmelden, bevor er schlussendlich das massentaugliche Auto entwarf.

Welche Unternehmen fallen Ihnen als Erstes ein, wenn Sie heute an mustergültige Innovationsprozesse denken?

Sicherlich die Tech-Unternehmen. Schaut man sich Apple, Google, Amazon, Facebook oder Netflix an, kann man schon sehr viel dazulernen, wenn es um Innovationskultur geht. Das liegt sicher daran, dass solche Unternehmen sehr stark datengetrieben sind und Fehler hier zur Entwicklung gehören, nach dem Motto: “Fail fast, fail often.” Nur so schaffen sie es tatsächlich, neue Produkte und Learnings hervorzubringen. An ihnen sieht man auch, dass Innovation nicht auf ein Bauchgefühl begründet sein muss, sondern auch ganz stark analytisch, datengetrieben und quantifizierbar passieren kann. Schwierig wird es allerdings auch hier ab einer bestimmten Unternehmensgröße. Dann kann man beobachten, dass auch die Riesen der Tech-Branche Innovationen dazu kaufen. Zum Beispiel Google: Innovationen wie Google Maps, Android und Youtube waren alles Anschaffungen und keine Inhouse-Entwicklungen. Genauso bei Facebook, siehe Whatsapp und Instagram: Die gehören heute zur Familie, obwohl das Mutterschiff ja schon den Messenger hatte. Man sieht also: Je größer das Unternehmen, desto wichtiger werden M&A, um dauerhaft Innovationen hervorzubringen.