„Aussteiger für einen Sommer“: Max’ Hütten-Sabbatical

Senior Consultant goes Hüttenwirt: In einer alpinen Idylle aus Kuhglocken, Blumenwiesen und schneebedeckten Gipfeln verbringt unser Kollege Max gerade sein Sabbatical auf der Lizumerhütte. In über 2.000 Metern Höhe. Wie es dazu kam und was er da oben genau macht, verrät er im Interview.

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Max, du machst ein Sabbatical auf einer Berghütte. Da stellt man sich natürlich zunächst mal totale Isolation vor: kein Telefon, kein Internet, kein Netflix. Wie überlebt man das?

Also du bist natürlich schon ein bisschen abgeschnitten vom Rest der Welt. Gestern war hier zum Beispiel komplett Funkstille, Internet und Telefon waren einfach aus. Das ist aber irgendwie auch mal cool, denn sowas passiert dir in einer Großstadt wie München einfach nicht. Allein dieser eingeschränkte Empfang hier oben gibt dir so ein Gefühl von Autarkie. 

Lustig ist auch, dass kleine Alltagsdinge plötzlich kompliziert werden. Vor zwei Wochen musste ich zum Beispiel zum Friseur. Ich war letztlich den ganzen Tag unterwegs – nur um dorthin zu kommen. In solchen Situationen merkt man ganz stark, dass das Leben hier doch noch deutlich rudimentärer ist als in der Großstadt. Gleichzeitig ist das ja auch mitunter ein Grund, warum man überhaupt hier oben ist.

Und wie kamst du auf die Idee ein Sabbatical so weit oben in den Bergen zu machen?

Ich bin im Alpenvorland in Bad Tölz aufgewachsen und war von klein auf viel in den Bergen. Zwischen Abitur und Zivildienst wollte ich dann das erste Mal auf einer Hütte arbeiten, was damals aber leider nicht geklappt hat. Danach hat sich dieser Jugendtraum ein bisschen verlaufen, weil ich nach München zum Studieren gegangen bin. Den Bezug zu den Bergen habe ich aber nie verloren. Im vergangenen Herbst haben sich dann schließlich Freunde von mir dazu entschlossen, eine Hütte vom Alpenverein zu pachten. Das fand ich von Beginn an spannend. Anfang des Jahres haben sie mich gefragt, ob ich da eine Zeit lang mitwirken und auch meinen BWL-Background einbringen will. Und so entstand die Idee eines Berghütten-Sabbaticals.

Wie war die Reaktion deiner Chefs und Kollegen, als sie von deinen Plänen hörten?

Das kam im ersten Moment wohl etwas überraschend, weil ein Sabbatical in den Bergen nicht der klassische Schritt für einen Unternehmensberater ist. Im zweiten Atemzug waren die Reaktionen aber sehr positiv, offen und ermutigend. Idealerweise kann ich am Ende auch ein paar Erfahrungen als Hütten-Quereinsteiger in meinen beruflichen Alltag mitnehmen – auch wenn die Geschäftsmodelle oder die Art der Arbeit sehr unterschiedlich sind. Natürlich gibt es auch Gemeinsamkeiten: Denn für beide Jobs brauchst du Menschenkenntnis, Empathie und gute Networking-Skills. Das Entwickeln und Umsetzen von nachhaltigen, praktikablen Lösungen spielt zudem sowohl im Projektalltag in der Unternehmensberatung als auch beim Betreiben einer Berghütte eine zentrale Rolle.

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Was sind deine Aufgaben auf der Lizumerhütte?

Im Endeffekt sind hier drei Bereiche wichtig: Die Küche, der Service und alles, was mit Backoffice zu tun hat – sprich Buchhaltung und sonstige administrative Tätigkeiten. Für jeden Bereich haben wir ein bis drei Leute, die zuständig sind. Ich unterstütze, weil auch nur knapp drei Monate vor Ort, je nach Bedarf in allen drei Bereichen. Vor allem jedoch im Service und der Gästebewirtung. Darüber hinaus helfe ich bei der Buchhaltung aus und bringe mich ein, wenn es darum geht, unsere internen Abläufe effizienter zu gestalten. Insbesondere die Kommunikation zwischen den drei genannten Bereichen war gerade zu Beginn noch nicht optimal.

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Kannst du deinen Schwerpunkt im Bereich Digitalisierung auf der Hütte einbringen oder ist das dort noch kein so großes Thema?

Die Digitalisierung macht natürlich auch vor den Bergen nicht Halt. Gerade verlegt das österreichische Bundesheer hier zum Beispiel Glasfaserkabel. Gemeinsam mit einem Freund, der Programmierer ist, habe ich mir auch schon ein paar Sachen für die Hütte überlegt, zum Beispiel beim Check-In. Da wird immer abgefragt, welches Zimmer und welche Speisen die Gäste wollen. Unser Ziel ist, dass diese Informationen künftig von uns direkt digital eingegeben und anschließend automatisch an die Küche weitergeleitet werden. Im übernächsten Schritt soll man auch automatisch kalkulieren können, wann darauf basierend der nächste Einkauf ansteht. Aktuell läuft das alles noch analog. Aber wie bei jedem Unternehmen gilt auch hier: Erst wenn die wesentlichen Prozesse und Abläufe stimmen, kann man sie digitalisieren. 

Beschreibe doch mal einen typischen Tag auf der Lizumerhütte.

Es sind auf jeden Fall lange Tage. Frühstück gibt’s ab 6:45 Uhr. Ich bin meist gegen sieben, halb acht da. Nach dem Frühstück geben wir den Gästen eine Prognose, ob sie eine bestimmte Wanderung aufgrund von Witterungsbedingungen machen können oder nicht. Ab 9 Uhr ist die Hütte quasi leer und dann geht’s ans Saubermachen. Von 11 bis 13 Uhr mache ich Pause. Da ziehe ich selbst los oder lege mich in die Sonne. Und am Nachmittag mache ich Buchhaltung und Papierkram. Ab 16 Uhr kommen wieder die ersten Übernachtungsgäste. Zum Teil tauchen dann 80 Leute innerhalb von ein bis zwei Stunden auf. Ab 18:30 Uhr gibt es Abendessen. Da übernehmen drei Leute die Küche, ich bin dann meistens draußen im Service, gebe unter anderem nochmal eine Einschätzung für das Wetter am nächsten Tag und welche Touren ich empfehlen würde. Ab 22 Uhr ist Bettruhe. Dann machen wir unten alles fertig und sitzen nochmal zusammen. Das Ganze ist also schon anstrengend, weil man fast den ganzen Tag auf den Beinen ist. Aber es macht Spaß, den Austausch mit den Leuten zu haben, deswegen geht die Zeit eigentlich immer schnell vorbei. Einen Tag in der Woche habe ich ganz frei – den nutze ich, um die Gegend zu erkunden und abzuschalten.

Was ist der größte Unterschied zur Arbeit im Münchner Nunatak-Büro?

Natürlich die Umgebung (lacht). Es kann schon passieren, dass dir ein Ferkel, eine Kuh oder ein Murmeltier auf der Terrasse über den Weg läuft. Dazu kommt sowohl die Abgeschiedenheit wie auch die Tatsache, dass man nicht mehr ganz so viel vom schnelllebigen Alltag der Außenwelt mitbekommt. 

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Worauf freust du dich am meisten nach deinem Sabbatical?

Ich sag den Leuten immer gern: Ich bin ein Aussteiger auf Zeit. Ein Aussteiger für einen Sommer. Und das ist super, aber genauso freue ich mich wieder auf den „intellektuellen Stimulus“ und die Internationalität im Kontext der Digitalisierung, den ich in meiner Arbeit bei Nunatak habe. Sprich, diese Herausforderung im täglichen Business und in den Projekten. Bevor ich im Januar nach München zurückkehre, werde ich aber noch ein paar Monate in Neuseeland verbringen.